Praxis-Leitfaden für einen altersgerechten Christopher-Street-Day und andere Demonstrationen, Paraden, Straßenfeste und Veranstaltungen

Vor 50 Jahren, in den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 wurde die Christopher Street in New York mit den so genannten Stonewall Riots, zum Geburtsort einer neuen Lesben-, Schwulen-, Bi- und Trans*-Bewegung. Seitdem protestieren, demonstrieren und feiern wir für unsere Rechte und unser neu gewonnenes Selbstbewusstsein.
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Checkliste: Die wesentlichen Merkmale eines alters­gerechten CSD

Die im Folgenden genutzten Kategorien, Beschreibungen und Definition basieren auf der Checkliste altersgerechter Städte der WHO. Die WHO hat acht Lebensbereiche definiert, die essentiell für altersgerechte Gesellschaften sind. Für diesen Leitfaden wurden sie auf die folgenden sechs Aspekte reduziert. Sie sind am relevantesten für die Teilhabe älterer Menschen bei CSD-Veranstaltungen:

  • Ältere LSBTI werden zurate gezogen, um ihre bessere Inklusion bei CSD-Veranstaltungen zu gewährleisten.
  • Ältere LSBTI gehen am Anfang einer Demonstration mit (so würdigen wir ihren Beitrag für die Community und stellen sicher, ältere LSBTI müssen nicht lange stehen und warten).
  • Für Demonstrationen werden Alternativen zum Laufen oder dem Fahren auf CSD-Wagen angeboten – zum Beispiel Rikschas und Busse.
  • Strategien und Maßnahmen zur Inklusion älterer Menschen sind auch inklusiv in Bezug auf ältere Trans* und ältere Menschen mit Migrationshintergrund.
  • Bisexuelle Aktivist*innen und ihr historischer Beitrag zur Community werden durch besondere Anerkennung gewürdigt.
  • Die Lebensverläufe, Herausforderungen wie lesbische Unsichtbarkeit, die Aidskrise und die strafrechtliche Verfolgung und historische emanzipatorische und feministische Errungenschaften der älteren LSBTI-Community werden anerkannt und gewürdigt.
  • Partnerschaften und Kooperationen mit Organisationen, die ältere Trans* und ältere Menschen mit Migrationshintergrund vertreten, werden aufgebaut.
  • Ältere LSBTI sind auf Werbematerialien, Bannern und an Infoständen repräsentiert.

Unabhängig von der Wahl der Kommunikationsmittel und dem Umfang der verfügbaren Informationen ist es am wichtigsten, relevante Informationen für ältere LSBTI mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Ressourcen ohne Weiteres zugänglich zu machen:

  • Informationen über CSD-Veranstaltungen werden dort verteilt, wo Senior*innen sich aufhalten, also an ihrem Wohnort, in Senior*inneneinrichtungen, in Sozialdiensten – also über die üblichen Szeneeinrichtungen hinaus.
  • Sie werden auf postalischem Weg, per E-Mail und auf Social-Media-Kanälen speziell angesprochen.
  • Altersgerechte Printmaterialien über die CSD-Aktivitäten werden zur Verfügung gestellt (große Schrift, klare Überschriften). In der Kommunikation mit älteren LSBTI sind Informationen über die Veranstaltung, über Barrierefreiheit und über die Verkehrsanbindung enthalten.
  • Veranstalter*innen berücksichtigen die Auswirkungen lebenslanger Stigmatisierungserfahrungen auf die Bereitschaft von Menschen, sich öffentlich zu zeigen, Formulare auszufüllen oder bei Veranstaltungen fotografiert zu werden.

Eine altersgerechte Community bietet älteren Menschen die Gelegenheit, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten und sich zu engagieren.

  • Ältere Menschen, auch Repräsentant*innen von Trans* und Menschen mit Migrationshintergrund, sind Teil von CSD-Beiräten, -Organisationsteams, -Vorständen und (falls vorhanden) hauptamtlichen Teams.
  • Die Fähigkeiten und Interessen älterer LSBTI-Ehrenamtlicher werden bei den ihnen zugetragenen Positionen berücksichtigt.
  • Ehrenamtliche werden in ihrer Arbeit unterstützt, zum Beispiel bei der An- und Abreise von und zu Vorbereitungstreffen; Fahrtkosten für Menschen mit geringem Einkommen werden erstattet.

Die Möglichkeit, am formellen sowie informellen Sozialleben teilzuhaben, hängt neben den angebotenen Aktivitäten auch davon ab, ob der Zugang zu Nahverkehr und den Einrichtungen angemessen ist.

  • Es bestehen Unterstützungsmöglichkeiten für die Teilnahme älterer LSBTI, zum Beispiel reservierte Plätze, Hilfen für Menschen mit beeinträchtigtem Gehörvermögen und Unterstützung bei der Nutzung von Verkehrsmitteln.
  • Sie haben die Möglichkeit, in Begleitung eines/einer Freund*in oder Betreuer*in teilzunehmen.
  • Aktivitäten, die sich an den Interessen älterer Menschen orientieren und deren Zeitrahmen für sie angemessen ist, werden angeboten.
  • Organisationsteams erhalten den Auftrag: „Findet einen Weg, mehr ältere LSBTI zur Teilhabe zu ermutigen.“
  • Kooperationen mit Senior*innenorganisationen werden gebildet, um mehr ältere LSBTI durch gemeinsame Mitteilungen über mehrere Verteiler zu erreichen. Kooperationsveranstaltungen signalisieren ein Interesse an älteren LSBTI und ermutigen zu gemeinsamen Aktivitäten.

Es gibt eine große Bandbreite an Maßnahmen im öffentlichen Raum und in Gebäuden, die zur Altersgerechtigkeit beitragen.

  • Veranstaltungen finden in Räumlichkeiten statt, die einen barrierefreien Zugang ermöglichen.
  • Aktivitäten und Angebote für ältere LSBTI finden gebündelt statt, um
    Reisewege zu minimieren.
  • Gehwege sind gut gepflegt, eben, nicht rutschig, mit niedrigen und abgesenkten Bordsteinen versehen und breit genug, um Rollstühlen Platz zu bieten.
  • Reservierte und barrierefreie Plätze werden ebenso zur Verfügung gestellt wie klimatisierte Räume und Trinkstationen.
  • Der Zugang zu Toiletten ist angemessen und barrierefrei. Ältere Menschen und Kinder werden vorgelassen.
  • Ein frühzeitiger Einlass zu Veranstaltungen für Frühankömmlinge wird gewährleistet und Sitzgelegenheiten, falls Menschen sich anstellen müssen
  • Es gibt genügend Übergangszeiten zwischen Veranstaltungen.
  • Sitzgelegenheiten haben eine bequeme Sitzhöhe und feste, aber bequeme Armlehnen.
  • Ausgänge sind nicht zugestellt, barrierefrei und leicht begeh- oder befahrbar.
  • Veranstaltungen werden in den ruhigsten zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten abgehalten und die Veranstalter stellen sicher, dass nur eine Person zur gleichen Zeit spricht.
  • In größeren Räumlichkeiten nutzen die Redner*innen ein Mikrofon.
  • Veranstaltungsräume sind gut beleuchtet.
  • Garderoben und Stauraum für die persönlichen Sachen werden zur Verfügung gestellt.
  • Die Beschilderung und schriftliche Unterlagen sind in großer Schrift verfügbar.

Die Fähigkeit, sich frei bewegen zu können, beeinflusst soziale und gesellschaftliche Teilhabe.

  • Wenn eine Demonstration an einem schwer zugänglichen Ort endet, werden für ältere LSBTI alternative Möglichkeiten geschaffen, zum Beispiel die Option, früher aus der Demonstration auszusteigen, oder eine Transportmöglichkeit zurück zur Demostrecke, zum Straßenfest oder öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Reservierte Plätze werden entlang der Demostrecke zur Verfügung gestellt.
  • Der Weg von der Demonstration zum Straßenfest ist frei von Stolperfallen.
  • Hilfestellung für Menschen mit eingeschränkter Seh – oder Gehfähigkeit wird zur Verfügung gestellt.
  • Es gibt Transportmöglichkeiten von und zu Senior*inneneinrichtungen.
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Dachverband
Lesben und Alter e. V.
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